Undogmatischer Veganer

Undogmatischer Veganer
Attila Hildmann ist Deutschlands bekanntester Vegankoch, er veröffentlichte die Kochbücher „VEGAN FOR FUN" (2011) und „VEGAN FOR FIT" (2012).

Attila, wo siehst du die größte Herausforderung im Veganeralltag?
Es gibt verschiedene Herangehensweisen an vegane Ernährung. Ich bin der Meinung, man darf sie nicht als Hürde empfinden, sondern als Chance zu lernen, wie man mit frischen Zutaten kocht. Produkte, die einem früher nicht besonders gut geschmeckt haben, können neu entdeckt werden, indem sie zu leckeren Gerichten verarbeitet werden. Statt Verzicht sollte also diese Chance im Vordergrund stehen.

Wohin fährst du in den Urlaub und wie machst du das dort, da kann man ja nicht immer selber kochen?
In den letzten Jahren habe ich eigentlich nicht wirklich Urlaub gemacht, mein ganzes Leben fühlt sich derzeit nach einem großen Urlaub an. Aber beim Essen in anderen Ländern kommt es natürlich darauf an, wo man hinfährt. In südlichen Ländern findet man sehr viel frisches Obst und Gemüse.
In Ländern, in denen es eine ausgeprägte Fleischkultur gibt, ist es etwas schwieriger. Aber auch dort findet sich ein Weg. Im Zweifel kann man sich vorher gezielt mit bestimmten Lebensmitteln eindecken.

Wie stehst du zu solch kritischen Fragen, wie: Dürfen Veganer Wodka trinken und Lederschuhe tragen?
Mir geht es um eine gesunde, hochwertige Bio-Ernährung, die nachhaltig ist und schlank macht. Ich möchte nicht in irgendein Bild von einem Veganer passen. Wenn jemand sagt: Der hat Lederschuhe, der ist kein Veganer, dann ist das Quatsch. Es geht doch vielmehr darum, dass man sieben Tage die Woche hochwertiges Essen zu sich nimmt und damit wahnsinnig viel bewegen kann. Für mich zählt jedes Essen. Alles drum herum und ob man Tierhaut an den Füßen tragen will, soll doch jeder für sich selbst entscheiden. Unser katastrophaler Lebensmittelmarkt, Massentierhaltung und Übergewicht bei Jugendlichen sind für mich allerdings wesentliche Faktoren, die für die vegane Ernährung sprechen.

Meinst du, dass deine undogmatische Einstellung auch deinen Erfolg erklärt?
Ich glaube mein Erfolg kommt daher, dass ich 12 Jahre lang konsequent mein Ding gemacht habe und mir dann gesagt habe, ich schreibe jetzt meine Rezepte auf und mache gute Kochbücher, die auf Bio-Produkten und gesunder Ernährung basieren. Ich wollte nicht zu den Dogmatikern gehören, aber trotzdem vegan essen. Ich wünsch mir einfach, dass die Leute in den Bio-Laden gehen und mal schauen, was es hier vor Ort gibt. Diese ganze Ideologie ist nicht das Wesentliche, sondern die Erfahrung, regelmäßig frisch zu essen!