Keine blauen Zähne mit Kulturheidelbeeren

Keine blauen Zähne mit Kulturheidelbeeren

Die Heidel- oder Blaubeere trägt viele Namen: Schwarzbeere, Wild-, Wald-, Bickbeere, Zeckbeere, Moosbeere oder auch Heubeere…

Wilde Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) gehören zur Familie der Heidekrautgewächse und lieben humose, luftdurchlässige Böden, die einen sauren pH-Wert aufweisen und Lichtverhältnisse, wie sie am Rande von Lichtungen zu finden sind. Der Zwergstrauch wird bis zu 30 Jahren alt und vermehrt sich über Ausläufer. So kann eine Mutterpflanze mit ihren Ausläufern bis zu 1.000 Quadratmeter besiedeln.

Von der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) unterscheidet sich die heimische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) dadurch, dass sich die farbgebenden Anthocyane sowohl in der Schale als auch im Fruchtfleisch befinden und sie so durch und durch blau gefärbt ist. Bei der vor etwa 100 Jahren aus der Amerikanischen Heidelbeere gezüchteten Kulturheidelbeere befinden sich die Farbstoffe nur in der Schale, weshalb diese ein helles Fruchtfleisch aufweist und keine „blauen Zähne“ verursacht. 

Die grünen Triebe der wilden Heidelbeere stellen im Winter für das Wild eine wichtige Futterquelle dar. Ihre Früchte schätzen besonders Tierarten, die an Baum- und Buschfrüchte weniger leicht gelangen können, so wie das Auerhuhn und der Fuchs. Außerdem nutzen die Raupen zahlreicher Falterarten die Heidelbeere als Futterpflanze, so z. B die vom Aussterben bedrohte Weidenglucke oder der gleichermaßen seltene Augsburger Bär.

Heidelbeeren gelten mit ihrem ungewöhnlich hohen Gehalt an Anthocyanen als entzündungshemmende Vitaminbomben. Schon die alten Griechen und Römer verwendeten Heidelbeeren als Heilmittel gegen Darmerkrankungen. Im Mittelalter entdeckte Hildegard von Bingen den Wert der blauen Waldfrüchte als Heilpflanze wieder. Sie nutzte getrocknete Heidelbeeren als Kompresse zur Wundheilung. Getrocknete, reife Beeren lassen sich heilkundlich gegen Durchfall verwenden, frische Beeren wirken eher abführend. Nach dem römischen Schriftsteller Plinius wurde der Farbstoff der Heidelbeere zum Färben der Kleider von Sklaven verwendet.

Heidelbeeren gehören zu den wenigen Nahrungsmitteln, auf die keinerlei Allergien bekannt sind.