Ach, Bio ist nicht immer so?

Ach, Bio ist nicht immer so?

Wenn man den Leuten einen Fragebogen vorlegen würde, auf dem sie ankreuzen könnten, was für sie Bio ist, wären die Antworten vorhersehbar. Natürlich kommen Bio-Lebensmittel nur von Höfen, die nichts anderes als Bio anbauen.

Mindestens die Hälfte des Tierfutters käme vom eigenen Hof. Die Tiere hätten viel Platz im Stall und Auslauf im Freien; sie dürften zum Schlachten nicht weit gefahren werden. Gemüse dürfte nicht mit zugekauftem konventionellem Hühnermist gedüngt werden. „Natürliche Aromen” aus anderen als den produktbenennenden Früchten wären verboten, Nitritpökelsalz in Wurst und Fleisch ebenso. Fertig Gebackenes dürfte nicht tiefgefroren werden – und, und, und.

Wann immer man mit KundInnen diese Fragen thematisiert, ist hinterher die Überraschung groß: Denn viele der genannten Verbote und Qualitätsmerkmale sind bei den Verbänden feste Regeln. Bio nach EU-Standard macht in allen oben genannten Punkten weit laxere Vorgaben – oder gar keine.

„Hauptsache Bio-Siegel“ ist also als Kompass etwas dürftig, wenn man Wert auf maximale Bio-Qualität legt. Wie sich die Verbände von der EU-Bio-Verordnung unterscheiden, kann man am Beispiel der Bewirtschaftungsform der Betriebe sehen. Während es nach EU-Bio-Verordnung erlaubt ist, den Betrieb nur teilweise auf Bio umzustellen, müssen die Verbandshöfe komplett auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben.

Auch das Futter unterliegt deutlich strengeren Regeln. Tiere, die nicht zu den Verbandshöfen gehören, bekommen mitunter konventionelle Futtermittel, in Ausnahmefällen sogar gentechnisch veränderte. Außerdem ist die Anzahl der erlaubten Tiere pro Fläche beim Verbands-Bio deutlich geringer.

Einen weiteren gravierenden Unterschied gibt es auch in der Düngung – so dürfen Verbands-Biobetriebe z. B. deutlich weniger organischen Stickstoff auf ihre Flächen ausbringen als EU-Biobetriebe.