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Agrarwende = Kuhwende – besser machen statt bashen

Massentierhaltung verbinden viele von uns nicht gerade mit Bio- und Tierwohlstandards.

Doch allein die Größe eines landwirtschaftlichen Betriebs sagt noch nicht alles darüber aus, wie Tiere gehalten werden. Ein interessantes Beispiel ist Hestbjerg Økologi in Dänemark, einer der größeren ökologischen Schweinebetriebe Europas.

Der Betrieb bewirtschaftet rund 1.000 Hektar und hält etwa 1.500 Sauen. Ein Teil der Flächen wird als Agroforstsystem genutzt: Auf den Ausläufen wurden unter anderem Pappeln gepflanzt. Die Bäume bieten den Schweinen zusätzliche Strukturen und Schatten. Den Tieren stehen außerdem Außenflächen zur Verfügung, auf denen sie wühlen und andere arteigene Verhaltensweisen ausleben können.

Das Beispiel zeigt: Für die Beurteilung einer Tierhaltung sind nicht allein Bestandszahlen entscheidend. Auch Platzangebot, Haltungssystem, Management, Auslauf und Möglichkeiten für arteigenes Verhalten spielen eine wichtige Rolle.

Und wie sieht es mit dem Klima aus?

Rinder stehen in der Klimadebatte besonders im Fokus, weil bei ihrer Verdauung Methan entsteht. Dieses Methan ist klimawirksam und macht die Rinderhaltung zu einer relevanten Quelle landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen.

Gleichzeitig ist die Klimawirkung von Tierhaltung komplex. Sie hängt unter anderem von Tierzahl, Fütterung, Haltung, Flächennutzung, Wirtschaftsdünger und der Bewirtschaftung von Grünland ab. Auch fossile Energien, Abfallwirtschaft, Reisanbau und natürliche Feuchtgebiete tragen zu den weltweiten Methanemissionen bei.

Ähnlich differenziert muss der häufig genannte Wasserfußabdruck von Rindfleisch betrachtet werden. In globalen Berechnungen werden oft rund 15.000 Liter Wasser pro Kilogramm Rindfleisch genannt. Der größte Teil davon ist sogenanntes grünes Wasser – also Niederschlag, der auf Weiden und Futterflächen fällt. Wie stark die Rindfleischerzeugung tatsächlich regionale Wasserressourcen beansprucht, hängt deshalb wesentlich vom jeweiligen Produktionssystem und Standort ab.

Auch Grünland kann wichtige ökologische Funktionen erfüllen. Dauergrünland kann Kohlenstoff im Boden speichern, Lebensraum für verschiedene Arten bieten und Wasser aufnehmen. Wie groß diese Leistungen sind, hängt jedoch stark von Standort und Bewirtschaftung ab.

Der Wissenschaftsjournalist Florian Schwinn wirbt deshalb für eine differenziertere Debatte über die Rolle von Rindern in der Landwirtschaft. Sein Konzept einer „Kuhwende“ setzt unter anderem auf Weidehaltung, Grünlandnutzung und eine engere Verbindung von Tierhaltung und Pflanzenbau.

Dabei gilt: Tierhaltung ist weder pauschal ein Klimaproblem noch automatisch eine Klimaschutzmaßnahme. Entscheidend sind Tierzahl, Haltungssystem, Futtergrundlage, Flächennutzung und die konkreten Bedingungen des einzelnen Betriebs.

Viele Bio-Betriebe erproben bereits unterschiedliche Ansätze – von Weidehaltung und Agroforst bis hin zu betrieblichen Nährstoffkreisläufen. Welche Modelle sowohl Tierwohl als auch Umwelt- und Klimaziele sinnvoll verbinden, muss dabei jeweils anhand konkreter Daten bewertet werden.