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Auf dem Vormarsch – Ziegenmilchprodukte

Auf dem Foto sehen Sie Paula Schmid auf ihrer Jungziegenweide im Sommer. Sie kümmert sich zusammen mit ihrem Sohn Christian Schmid in Diessen am Ammersee um 200 Milchziegen der Rasse „Bunte Deutsche Edelziege“ und deren Nachwuchs. Sie sind seit bald 20 Jahren Bioland-Milcherzeuger für die Andechser Molkerei. Zu den rund 100 Ziegenbauernhöfen, die Andechser beliefern, gehört neben Familie Schmid auch der Hof von Georg Scheitz junior, dem Sohn des Andechser-Molkerei-Gründers.

Ziegen gehören übrigens zu den ältesten wirtschaftlich genutzten Haustieren, galten aber über viele Jahrzehnte als die „Kuh des armen Mannes“ und hatten mit einem schlechten Image zu kämpfen. Inzwischen wissen aber immer mehr Menschen Ziegenmilch und die daraus verarbeiteten Produkte wie Joghurt oder Käse zu schätzen. Aufgrund der Eiweißzusammensetzung ist Ziegenmilch grundsätzlich etwas weicher und würziger als Kuhmilch. Weil sie verhältnismäßig wenig Milcheiweiß enthält, wird der Käse bei Laktoseintoleranz häufig besser vertragen. Die mittelkettigen Fettsäuren und kleineren Fettkügelchen machen Ziegenmilch leichter verdaulich. Sie ist jedoch nicht zur Allergievorsorge beim Säugling geeignet!

Die Herausforderungen in der Ziegenhaltung

Die Ziegenhaltung sichert vielerorts eine faire Entlohnung und in der Landschaftspflege verhindert sie erfolgreich die Verbuschung oder Verwaldung ungenutzter Flächen und trägt zum Erhalt besonderer Lebensräume und seltener Tierarten bei. Ist das Schaf, bildlich gesprochen, der „Rasenmäher“, so ist die Ziege eine „Heckenschere“.

Öko-Ziegen stehen reichlich Auslauf auf Weideflächen und eine kräuterreiche Futtergrundlage zur Verfügung. Das trägt dazu bei, dass der Ziegenmilchgeschmack sehr mild bis leicht aromatisch ist. Die Stallhaltung beschränkt sich auf die Wintermonate.

Allerdings ist auch die Bio-Tierhaltung kein reines Büllerbü. Bio-Pioniere, die seit Jahrzehnten eine zukunftsfähige Landwirtschaft gestalten und entwickeln, suchen immer wieder nach neuen Lösungsansätzen für ein gutes Tierwohl. Doch dafür müssen Tierhalter, Verarbeiter, Handel und natürlich wir Endverbraucher*innen einen Beitrag leisten: Wer Milchprodukte mag und sich um Tierwohl sorgt, muss auch den männlichen Nachwuchs im Blick haben. Ziegenfleisch gilt in vielen Nachbarländern als Delikatesse, wohingegen hierzulande Ziegenfleisch nur selten auf dem Speiseplan steht. In der Gastronomie und in der Direktvermarktung gibt es Erfolg versprechende Modelle für das zwar hochpreisige, aber eben auch wertvolle Fleisch. Halten Sie die Augen offen und probieren Sie es, wenn sich die Gelegenheit dazu findet.

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