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Zeit zu Zweit für Kuh und Kalb

Aufzucht – so familiär wie möglich!

Auch im Bio-Landbau werden Kälber üblicherweise kurze Zeit nach der Geburt von der Mutter getrennt und von den Landwirten mit Milch versorgt. Einige Bio-Bauern haben inzwischen begonnen, die Kälber wieder gemeinsam mit den Mutterkühen und Ammen großzuziehen, da die von ihnen übernommene Körperpflege sowie das Saugen an deren Eutern den Kälbern guttut. Die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht ist ein tolles Leuchtturmprojekt, das es bisher aber nur in kleinem Umfang gibt.

Diese Art der Kälberaufzucht stellt die Bio-Bauern im Stallbau und im Herdenmanagement vor große Herausforderungen. Dazu kommt der wirtschaftliche Aspekt: Die Milchmenge der Milchkühe sinkt um 10–15 %. Dies lässt sich nur über einen höheren Milchpreis auffangen.

Kommunikation

Die Demeter HeuMilch Bauern und der Verband PROVIEH haben ein Siegel entwickelt, das Ihnen zeigt, welche Milch aus mutter-gebundener Kälberaufzucht kommt: „Zeit zu zweit für Kuh und Kalb“. Mit diesem Siegel gekennzeichnete Milchprodukte garantieren, dass die Kälber mindestens vier Wochen bei der Mutterkuh bleiben. Angestrebt wird eine Verlängerung auf drei Monate. Ähnlich wie die Demeter HeuMilch Bauern im Südwesten arbeiten inzwischen Höfe in acht Bundesländern. Eine Übersicht dazu finden Sie auf der Webseite von PROVIEH: www.provieh.de/kuh-plus-kalb

Hintergrund

Kühe geben nur dann kontinuierlich Milch, wenn sie jedes Jahr ein Kalb bekommen. Auf Milchleistung gezüchtete Kühe geben sehr viel mehr Milch, als die Kälber trinken können. Theoretisch gibt die Kuh also genug Milch für ihr Kalb und den Menschen. Ökonomisch wertvoller ist es für die Bauern aber, die gesamte Milch an die Molkereien zu verkaufen. In der Regel wird das Kalb daher auf konventionell bewirtschafteten Höfen bereits nach wenigen Stunden von der Mutterkuh getrennt und bekommt statt Muttermilch ein mit Wasser aufgerührtes Gemisch aus pflanzlichen Ölen und Molkepulver, den sogenannten Milchaustauscher.

Bio-Betriebe trennen die Kälber von den Kühen üblicherweise spätestens nach wenigen Tagen. Die EU-Bio-Verordnung und auch die deutschen Bio-Anbauverbände machen dazu keine genauen Vorschriften. Allerdings sind beim Bio-Milchvieh die sogenannten Milchaustauscher verboten! Bio-Kälber trinken drei Monate Bio-Milch, bevorzugt von der eigenen Mutter, verpflichtend ist das aber nicht. Und Bio-Kälber leben spätestens nach der ersten Woche in kleinen Gruppen zusammen, während in konventionellen Betrieben die Kälber bis zu acht Wochen in Einzelboxen isoliert werden können.

 

Wie artgerechte und möglichst wesensechte Tierhaltung geht, zeigt Sebastian Blank, den Sie hier im Bild sehen. Gemeinsam mit seiner Frau Anja und seinen Eltern bewirtschaftet er einen Milchviehbetrieb bei Wolfegg in Baden-Württemberg. Die Braunviehherde umfasst 80 Milchkühe und das Jungvieh. Braunvieh verkörpert Langlebigkeit, die Kühe haben eine mittlere Milchleistung und sind durch ihre gute Anpassungsfähigkeit für die Weidehaltung sehr gut geeignet. Die Kühe können im Sommer mit ihren Kälbern Tag und Nacht auf die Weide. Die Kälber dürfen mindestens drei Monate bei ihren Müttern oder Ammen am Euter trinken und verbringen viel Zeit mit ihnen. Das Zusammenleben mit älteren Tieren und Gleichaltrigen fördert außerdem das Sozialverhalten der Kälber.

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