
Bio-Landwirtschaft: Welche Umweltkosten können vermieden werden?
Wie unterscheiden sich ökologisch und konventionell bewirtschaftete Betriebe bei Stickstoff- und Treibhausgasemissionen? Dieser Frage ging eine Langzeituntersuchung der Technischen Universität München im Netzwerk von Pilotbetrieben nach.
Die Studie „Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus“ kommt zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Bio-Betriebe bei verschiedenen Umweltindikatoren Vorteile aufwiesen. Besonders deutlich zeigten sich Unterschiede beim Stickstoffmanagement und bei den flächenbezogenen Treibhausgasemissionen.
Im Ökolandbau wird auf mineralische Stickstoffdünger verzichtet. Die Stickstoffversorgung erfolgt unter anderem über Leguminosen, organische Düngung und Fruchtfolgen. Dadurch können Stickstoffüberschüsse und damit verbundene Emissionen wie Lachgas, Ammoniak oder Nitratausträge geringer ausfallen.
Auch der Energiebedarf unterscheidet sich: Weil die Herstellung mineralischer Stickstoffdünger viel Energie benötigt, entfällt dieser Energieaufwand im ökologischen Landbau. Zudem sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau nicht zugelassen.
Vielfältige Fruchtfolgen, Kleegras und organische Düngung können sich außerdem positiv auf Bodenfruchtbarkeit und Bodenkohlenstoff auswirken. Wie groß diese Effekte sind, hängt allerdings von Standort, Boden, Fruchtfolge und Bewirtschaftung ab.
In dem untersuchten Betriebsnetzwerk lagen die flächenbezogenen Treibhausgasemissionen des ökologischen Pflanzenbaus deutlich unter denen der Vergleichsbetriebe. Solche Ergebnisse lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf jeden Betrieb übertragen.
Auch bei der Biodiversität kann der ökologische Landbau Vorteile bieten: Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, vielfältigere Fruchtfolgen und ein geringerer Einsatz leicht löslicher Stickstoffdünger gehören zu den Faktoren, die dabei eine Rolle spielen.
Besonders interessant ist die ökonomische Bewertung der Studie. Auf Grundlage der ermittelten Stickstoff- und Treibhausgasbilanzen und unter Verwendung durchschnittlicher Umweltkostensätze errechneten die Wissenschaftler:innen einen Unterschied von rund 750 bis 800 Euro je Hektar und Jahr zugunsten des ökologischen Landbaus.
Bei einer Öko-Anbaufläche von rund 1,8 Millionen Hektar im Bezugsjahr 2021 entsprach dies rechnerisch einer Größenordnung von etwa 1,5 Milliarden Euro geringeren Umweltkosten.
Für einen Öko-Flächenanteil von 30 Prozent wurde in der Studie eine Größenordnung von rund 4 Milliarden Euro geringeren Umweltkosten pro Jahr modelliert. Die Autor:innen weisen ausdrücklich darauf hin, dass solche Berechnungen mit Unsicherheiten verbunden sind und vor allem die mögliche Größenordnung der Effekte verdeutlichen.
Die Studie empfiehlt deshalb, Forschung und Entwicklung im ökologischen Landbau weiter auszubauen und Umwelt- und Klimaschutzleistungen in landwirtschaftlichen Betrieben und Wertschöpfungsketten gezielt weiterzuentwickeln.
Auch die Nachfrage spielt für die Entwicklung des Ökolandbaus eine Rolle: Nur wenn Bio-Produkte dauerhaft Absatz finden, bestehen für landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftliche Perspektiven für die ökologische Bewirtschaftung.
Quelle: K.-J. Hülsbergen et al., „Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus“, Weihenstephaner Schriften Ökologischer Landbau und Pflanzenbausysteme.