
Trinken Sie hin und wieder auch gern ein Gläschen Bio-Wein? Damit Sie auch weiterhin eine attraktive Auswahl an Weinen aus hierzulande angebauten Reben vorfinden, haben sich erstmals alle führenden Einrichtungen der deutschen Weinbauforschung mit Öko-Anbauverbänden sowie Praxispartnern aus Wirtschaft und Ökoweinbau zu einem Verbundprojekt zusammengeschlossen: VITIFIT „Gesunde Reben im Ökoweinbau durch Forschung, Innovation und Transfer“ lief in den Jahren 2019 bis 2025 im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.
Das große Ziel dieses interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsprojekts ist es, die größte pflanzenbauliche Gefahr im Bio-Weinbau, den Falschen Mehltau, noch nachhaltiger als bisher zu bekämpfen und den Einsatz von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und langfristig sogar komplett zu ersetzen.
Kupfer ist bisher die einzig wirksame und zugelassene Maßnahme zur Bekämpfung dieser Pilzkrankheit. Bio-Winzer:innen dürfen pro Hektar und Jahr maximal drei Kilogramm Reinkupfer in den Weinberg einbringen. In befallstarken Jahren bedeutet diese eine große Herausforderung für die Betriebe.
Das Projekt hat während der vergangenen Jahre ein regelrechtes Maßnahmenbündel zur nachhaltigen Kontrolle der gefährlichen Pilzkrankheit entwickelt, das praxistauglich ist und die Wettbewerbsfähigkeit der Bio-Winzer:innen langfristig sichert. VITIFIT verzahnt Pflanzenschutz, Sortenzüchtung, Digitalisierung und Wissenstransfer miteinander und bietet somit einen systemischen Ansatz und begrenzt sich nicht auf Einzelmaßnahmen.
Im Bereich Pflanzenschutz erwiesen sich beispielsweise bestimmte pflanzliche Extrakte auf Basis von Süßholz oder aus Rebholz nicht nur wirksam in der aktiven Bekämpfung des Falschen Mehltaus, sondern sie stärkten auch nachweisbar die pflanzeneigenen Abwehrkräfte. Eine Patentanmeldung für ein biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis dieser Extrakte stößt auf großes Interesse in der Praxis. Zu Beginn und Ende der Vegetationsphase im Weinberg kommen in Jahren mit weniger intensiven Krankheitsdruck pilzresistente Rebsorten auch mit Komposttees aus. Diese Tees fördern die Etablierung nützlicher Mikroorganismen auf der Blattoberfläche, die gegen Pilzerreger agieren.
Ein zentraler Baustein in einer nachhaltigen, resilienten Pflanzenschutzstrategie sind pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die sogenannten PIWIs. Vielleicht haben Sie schon mal einen Wein aus der Rebsorte Solaris oder Regent getrunken? Verkostungen und weitere weinbauliche Versuche belegen, dass diese und weitere Sorten heute qualitativ und stilistisch konkurrenzfähig zu bekannten Rebsorten sind. Sie reduzieren die Kosten für den Pflanzenschutz und minimieren das Risiko im Weinberg und machen somit den Bio-Weinanbau wirtschaftlicher.
Für diese Sorten erweiterte VITIFIT ein bereits existierendes Prognosemodell für das Befallsrisiko. Dieses neue Modell ist in mehreren Bundesländern bereits kostenfrei für Winzer:innen verfügbar und wird intensiv genutzt. Es ermöglicht eine differenzierte Risikoeinschätzung und minimiert dadurch den Einsatz von teuren Pflanzenschutzmaßnahmen.
Last but not least war auch der Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis ein elementarer Bestandteil in diesem innovativen Verbundprojekt. Es bündelte die bundesweite Zusammenarbeit von Forschung, Beratung und den Winzer:innen und sorgte in Workshops, auf Feldtagen und durch viele weitere Maßnahmen für eine rasche Übertragung der gewonnenen Ergebnisse in die Praxis.
VITIFIT liefert mit vielen kleinen Puzzlesteinen nicht nur belastbare Lösungen für einen resilienten, wettbewerbsfähigen und ökologisch nachhaltigen Weinbau in Zeiten des Klimawandels, sondern zeigt auch die Kraft der Gemeinschaft.
Mehr Informationen zum Projekt VITIFIT finden Sie hier: https://vitifit.de/
Mehr Informationen zum biologischen Weinanbau gibt es hier: