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Viehhaltung auf der Weide ist aktiver Klimaschutz

Der Ackerkosmos

Im Bio-Landbau ist der Anteil der Weideflächen, das sogenannte Grünland, deutlich höher als im konventionellen Anbau. Grünland – und damit die Rinder-, Schaf- und Ziegenhaltung – hat auch eine herausragende Bedeutung für den Klimaschutz! Grünland ist die „Mutter“ des Ackerbaus und enthält 40 bis 300 % mehr Kohlenstoff und Humus als Ackerland. Grünland braucht Weidetiere, sonst verbuscht und verwaldet es rasch. Das selektive Grasen der Tiere, der Tritt der Weidetiere und ihr Dung ermöglichen eine hohe Biodiversität. Die Artenzahl von Pflanzen und Insekten ist auf Weiden deutlich größer als auf Ackerflächen.

Die enorme Reduzierung der Dauergrünlandflächen (Weiden), die seit den 1960er-Jahren in Ackerflächen umgewandelt wurden, sowie den drastischen Rückgang der Weidehaltung machen Ökologen heute verantwortlich für das Artensterben der Insekten und Vögel in Deutschland. Wer aber Grünland und Weidehaltung erhalten möchte, braucht auch Abnehmer für das Fleisch und die Milch dieser Tiere, und die Bauern benötigen für diese Umweltleistung auch einen angemessenen Preis. Wer diese Umweltleistung der Bauern nicht bezahlt, zwingt die Bauern zur Intensivierung oder in den Bergregionen zur Aufgabe der traditionellen Alpwirtschaft. Intensivierung bedeutet aber auch höhere CO²-Emissionen durch den Humusverlust im ehemaligen Grünland.

Planetenerhaltende Ernährung

Klimaschutz und Bio-Sonntagsbraten gehören somit zusammen. Unsere eigene Ernährung muss sich grundlegend ändern. In einer klimagerechten Ernährung reicht es nicht aus, Bio-Eier, Bio-Geflügel und Bio-Milchprodukte in den Einkaufswagen zu legen. Auch eine rein vegetarische oder gar vegane Ernährung ist nicht klimagerecht. Auch im Öko-Landbau besteht bei der Nachfrage nach Rindfleisch und Milchprodukten ein krasses Missverhältnis. In der Milchviehhaltung bedeutet das z. B., dass es für rund 70 % der Kälber in Bio-Milchviehbetrieben keine Nachfrage nach deren Fleisch gibt. Denn die Aufzucht und Mast der Kälber trägt nicht zur Einkommenssicherung der Bauern bei. Es sei denn, es gibt eine gut aufgestellte Direktvermarktung oder regionale Initiativen. Und ohne Kälber gibt es auch keine Milch. Wollen wir die Weidewirtschaft mit ihren positiven Klimaauswirkungen erhalten, müssen wir alle uns mehr Rindfleisch aus Bio-Weidehaltung gönnen – nicht täglich, aber als klassischen Sonntagsbraten wie früher …

Das heißt: Unsere Nachfrage nach Lebensmitteln prägt den Markt.

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