
Torf ist bis heute ein wichtiger Bestandteil vieler Erden und Kultursubstrate. Er wird unter anderem bei der Jungpflanzenanzucht, im Gemüse- und Zierpflanzenbau sowie in Baumschulen eingesetzt.
Seine Eigenschaften sind für den Gartenbau praktisch: Torf kann viel Wasser speichern und sorgt gleichzeitig für eine gute Durchlüftung des Wurzelraums. Außerdem enthält er vergleichsweise wenige Nährstoffe, sodass die Nährstoffversorgung gezielt an die jeweilige Kultur angepasst werden kann.
Doch Torf entsteht extrem langsam. In Mooren wird über Jahrtausende Kohlenstoff gespeichert. Werden Moorböden entwässert, gelangt durch die Zersetzung des Torfs Kohlendioxid in die Atmosphäre.
Entwässerte Moorböden gehören deshalb zu den bedeutenden Quellen landnutzungsbedingter Treibhausgasemissionen in Deutschland. Im Jahr 2024 entstanden daraus rund 52 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente.
Deshalb wird seit Jahren nach Alternativen zu Torf gesucht. Bereits heute werden beispielsweise Holzfasern, Rindenhumus, Kompost oder Kokosprodukte in torfreduzierten und torffreien Substraten eingesetzt. Je nach Kultur unterscheiden sich diese Rohstoffe jedoch in ihren Eigenschaften und Anforderungen an die gärtnerische Praxis.
Die Torfminderungsstrategie des Bundes sieht vor, im Freizeitgartenbau möglichst vollständig auf Torf zu verzichten und den Torfeinsatz im professionellen Gartenbau bis 2030 weitgehend zu reduzieren.
Eine interessante Alternative sind Torfmoose.
Torfmoose – wissenschaftlich Sphagnum – gehören zu den wichtigsten Torfbildnern natürlicher Hochmoore. Ihre Biomasse besitzt Eigenschaften, die denen von gering zersetztem Hochmoortorf ähneln: Sie kann viel Wasser speichern, ist gut wiederbenetzbar und sorgt zugleich für eine gute Luftführung im Substrat.
Seit vielen Jahren erforschen Wissenschaftler:innen unter anderem an der Universität Greifswald, wie Torfmoose auf wiedervernässten ehemaligen Moorflächen angebaut werden können.
Diese Form der nassen Bewirtschaftung wird Paludikultur genannt. Dabei können bislang entwässerte Moorflächen wiedervernässt und trotzdem landwirtschaftlich genutzt werden.
Auf geeigneten Hochmoorstandorten werden Torfmoose gezielt angesiedelt und nach einigen Jahren geerntet. Anschließend wächst die verbleibende Torfmoosvegetation weiter.
Der Ansatz verbindet zwei Ziele: Durch die Wiedervernässung können die Treibhausgasemissionen entwässerter Moorböden deutlich reduziert werden. Gleichzeitig entsteht mit der Torfmoos-Biomasse ein nachwachsender Rohstoff, der einen Teil des bisher eingesetzten Torfs in Gartenbausubstraten ersetzen kann.
Pflanzenbauliche Versuche und erste Praxiserfahrungen zeigen, dass sich Torfmoos-Biomasse grundsätzlich gut für hochwertige Kultursubstrate eignet.
Bis Torfmoos-Paludikultur in größerem Umfang wirtschaftlich eingesetzt werden kann, sind jedoch noch Fragen zu Flächenverfügbarkeit, Wasserständen, Erntetechnik, Verarbeitung und Wirtschaftlichkeit zu lösen. Aktuelle Forschungs- und Modellprojekte arbeiten deshalb daran, geeignete Produktions- und Wertschöpfungsketten aufzubauen.
Für Hobbygärtner:innen gilt schon heute: Beim Kauf von Blumenerde lohnt sich der Blick auf die Kennzeichnung „torffrei“.
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