
Essen ist immer auch politisch. Das zeigt sich auch beim Reis. Migration ist heute ein politisch viel diskutierter Begriff. Doch unabhängig von aktuellen Debatten gilt: Ohne die Wanderung von Menschen, Pflanzen, Wissen und Esskulturen wäre unser Speiseplan deutlich weniger vielfältig.
Wir lieben spanische Paella genauso wie cremiges Risotto aus Italien, und als Dessert darf es auch gern Milchreis geben. Was wäre ein Curry ohne Jasmin- oder Basmatireis? Und auf Sushi verzichten? Für viele kaum vorstellbar. Doch was hat das alles mit Migration zu tun? Ganz einfach: Auch die Geschichte des Reises ist eine Geschichte von Wanderung, Austausch und Handel.
Die Geschichte des asiatischen Reises (Oryza sativa) reicht Jahrtausende zurück. Frühe Formen des Reisanbaus entwickelten sich in Asien, insbesondere im Gebiet des heutigen China. Von dort verbreiteten sich unterschiedliche Reisformen und Anbaumethoden über weite Teile Süd-, Südost- und Ostasiens. Über Migration und Handelsnetzwerke gelangte asiatischer Reis später auch in andere Regionen, darunter Madagaskar und Teile Afrikas.
Daneben entwickelte sich in Westafrika unabhängig davon der Afrikanische Reis (Oryza glaberrima). Seine Domestikation begann vor rund 3.000 Jahren im Gebiet des Niger und seine Nutzung verbreitete sich anschließend in verschiedenen Regionen Westafrikas.
Auch rund um das Mittelmeer verbreiteten sich Reis und das Wissen über seinen Anbau über Jahrhunderte hinweg. Handelskontakte, Migration und politische Herrschaftsgebiete verbanden Nordafrika, den Nahen Osten und die Iberische Halbinsel miteinander. So wurde Reis schließlich auch Teil der europäischen Esskultur.
Ohne diese jahrhundertelangen Wanderungs- und Austauschbewegungen gäbe es viele Reisgerichte, die heute ganz selbstverständlich zu verschiedenen Landesküchen gehören, vermutlich nicht in ihrer heutigen Form. Das wäre doch ziemlich schade, oder?
Reisspezialitäten nach Herkunft
• Arborioreis ist ein italienischer Rundkornreis mit relativ großen Körnern und eignet sich besonders gut für cremige Risottogerichte. Wichtige Anbaugebiete liegen in Norditalien.
• Schwarzer Reis aus dem Piemont zeichnet sich durch seine dunkle Färbung sowie einen nussigen, leicht süßlichen Geschmack aus. Verschiedene schwarze Reissorten werden heute in Norditalien angebaut.
• Roter Reis erhält seine charakteristische Farbe durch natürliche Farbstoffe in den äußeren Kornschichten. Rot gefärbte Reissorten werden unter anderem in Frankreich und Italien angebaut.
• Spanischer Rundkornreis eignet sich aufgrund seiner Kocheigenschaften besonders gut für Gerichte wie Paella. Je nach Region werden hierfür unterschiedliche Sorten verwendet.
• Basmatireis ist ein besonders aromatischer Langkornreis, dessen traditionelle Anbaugebiete auf dem indischen Subkontinent liegen, insbesondere in Regionen am Fuß des Himalaya.
• Jasminreis oder Duftreis entwickelt beim Kochen ein charakteristisches blumiges Aroma und einen feinen Geschmack. Besonders bekannt ist sein Anbau in Südostasien, etwa in Thailand.
• Patnareis bezeichnet traditionell einen langkörnigen Reis, dessen Name auf die indische Region um Patna zurückgeht.
• Vollkornreis oder Naturreis ist Reis, bei dem die nährstoffreichen äußeren Kornschichten weitgehend erhalten bleiben. Vollkornreis gibt es in unterschiedlichen Kornformen.
• Wildreis ist botanisch kein Reis der Gattung Oryza, sondern gehört zu nordamerikanischen Wassergräsern der Gattung Zizania. Er wird pur angeboten oder mit Reis gemischt.