Überspringen zum Inhalt

Palmöl – ja, aber…

Ein besonders ertragreiches Pflanzenöl.

Über den Anbau von Ölpalmen diskutiert die Öffentlichkeit seit Jahren wegen seiner möglichen ökologischen und sozialen Auswirkungen. Palmöl versteckt sich in Schokoladenaufstrichen, Knuspermüslis, Seifen… um nur ein paar Beispiele zu nennen.

In den Hauptanbauländern Malaysia und Indonesien, aber auch in Mittelamerika, wachsen Ölpalmen vielfach großflächig in Plantagensystemen. Für Flächenerweiterungen wurden und werden dort Regenwälder gerodet Je nach Bewirtschaftung können damit enorme Belastungen für Böden und die Artenvielfalt verbunden sein.

Doch es gibt Alternativen. Gut bekannt ist der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO). Aldi, Edeka, Nestlé sind dort u.a. Mitglieder. Seine Anforderungen sind jedoch nicht mit den Vorgaben des EU-Bio-Rechts gleichzusetzen. Der RSPO-Standard enthält ökologische und soziale Anforderungen und lässt unter bestimmten Voraussetzungen auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu. Kritik richtet sich unter anderem gegen die Umsetzung und Kontrolle der Standards in der Praxis. Die Christliche Initiative Romero (CIR) dokumentierte in ihrem Palmöl-Report 2024 Menschenrechtsverletzungen und Umweltverstöße bei bestimmten Palmölproduzenten in Mittelamerika und untersuchte deren Lieferbeziehungen zu Unternehmen in Deutschland.

Dass es auch anders geht, zeigen Zertifizierungssysteme, die soziale und ökologische Anforderungen miteinander verknüpfen. Ein Beispiel ist Naturland Fair. Beim Naturland-Fair-Partner Serendipalm in Ghana stammt das Palmöl nach Angaben von Naturland von Bio-Kleinbäuerinnen und -bauern, die die Ölpalmen im Mischanbau mit weiteren Kulturen anbauen und sie erhalten nach Angaben von Naturland auch faire Preise.

Auch Fair for Life umfasst soziale und ökologische Anforderungen. Welche konkreten Vorgaben gelten, richtet sich jeweils nach den Kriterien und dem Geltungsbereich des betreffenden Zertifizierungssystems.

Generell gilt: nach der EU-Bio-Verordnung zertifiziertes Palmöl schont die Böden und Gewässer.

Einen großen Anteil an den Missständen der Palmöl-Wirtschaft hat unser Ernährungssystem: Palmöl ist bei Verarbeitungsunternehmen aufgrund seiner technologischen Eigenschaften in den Rezepturen sehr beliebt.

Ein Ansatz für die Reduktion des Palmölbedarfs liegt also auch in handwerklichen Rezepturen, die ohne Palmöl auskommen. Immer mehr Bio-Hersteller suchen diesen Weg und stellen ihre Rezepturen entsprechend um.

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist unsere weiterhin fleischbasierte Ernährung, denn Palmöl und daraus gewonnene Bestandteile sind beliebte Komponenten in Futtermitteln. Wer den Einsatz solcher Bestandteile vermeiden möchte, sollte daher auf konkrete Angaben zur Fütterung und Herkunft der Futtermittel achten. Weniger Fleisch essen, und wenn, dann aus zertifizierter Bio-Tierhaltung mit Futter von den eigenen Ackerflächen, senkt auch den Palmölbedarf!

Palmöl per se ist ein wertvolles Lebensmittel mit einem hohen Flächenertrag. Und so sollten wir es auch wertschätzen: Genießen in bio-zertifizierter und zusätzlich nach einem anerkannten Fair-Standard zertifizierter Qualität, wo es nicht ersetzbar ist. Und auf intransparente Herkünfte verzichten, wo immer es möglich ist.

 

Quellen:

Christliche Initiative Romero e.V. (CIR)
Naturland: Naturland Fair / Palmöl aus Ghana
Fair for Life: aktuelle Zertifizierungskriterien