
Neue Kulturen für veränderte Anbaubedingungen
Landwirtschaftliche Betriebe müssen sich zunehmend mit Trockenperioden, hohen Temperaturen und einer veränderten Niederschlagsverteilung auseinandersetzen. Eine einzige Lösung für alle Standorte gibt es dabei nicht. Gefragt sind Kulturen und Anbausysteme, die zu den jeweiligen Böden und klimatischen Bedingungen passen.
Genau hier setzt das Forschungsprojekt „Zukunftsspeisen – Superfood aus Sachsen-Anhalt“ an. Landwirtschaftliche Praxis und Wissenschaft untersuchen gemeinsam, welche Kulturpflanzen sich für die Bedingungen in Sachsen-Anhalt eignen und wie sich Anbausysteme weiterentwickeln lassen.
Ein Schwerpunkt liegt auf Maßnahmen zur Bodenbewirtschaftung und auf Kulturen, die auch mit vergleichsweise trockenen Bedingungen zurechtkommen können.
Quinoa und Kichererbsen im Versuch
Quinoa hat seinen Ursprung im Andenraum Südamerikas. Die Kichererbse wurde bereits vor Jahrtausenden im Nahen Osten kultiviert. Heute werden beide Kulturen auch in Deutschland erprobt und angebaut.
Im Projekt wurden unter anderem Erfahrungen mit Quinoa und Kichererbsen auf landwirtschaftlichen Flächen in Sachsen-Anhalt gesammelt. Dabei geht es nicht nur darum, ob eine Pflanze grundsätzlich wächst, sondern auch um Ertrag, Sortenwahl, Bodenbedingungen, Anbautechnik und Wirtschaftlichkeit.
Die Kichererbse hat sich auf einzelnen Standorten bereits als interessante Kultur erwiesen und wird dort inzwischen auch in größeren Mengen angebaut und vermarktet. Bei Quinoa zeigte sich dagegen, dass ein wirtschaftlicher Anbau unter den jeweiligen Bedingungen noch Herausforderungen mit sich bringt.
Genau dafür sind solche Praxisversuche wichtig: Sie zeigen, welche Kulturen an einem Standort funktionieren können – und wo noch weiterer Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht.
Vom Acker bis in die Küche
Das Projekt beschäftigt sich nicht nur mit dem Anbau. Ebenso wichtig ist die Frage, wie sich die erzeugten Kulturen verarbeiten und vermarkten lassen.
Aus Kichererbsen können beispielsweise Hummus, Aufstriche, pflanzliche Bratlinge oder andere Gerichte entstehen. Im Projekt wurden auch Rezepturen für die Gemeinschaftsverpflegung entwickelt und getestet.
Gerade Mensen, Kitas und Betriebskantinen bieten die Möglichkeit, neue pflanzliche Gerichte in größeren Mengen auszuprobieren und dabei Zutaten aus regionalem Anbau einzusetzen.
Regionale Kichererbsen können im Einkauf derzeit teurer sein als Importware. Gleichzeitig ermöglicht ihr Anbau den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Gemeinschaftsverpflegung in der Region.
Und die Forschung geht weiter: Seit 2024 untersucht das Nachfolgeprojekt „Zukunftsspeisen 2.0“ weitere klimaangepasste Fruchtfolgen im ökologischen Landbau. Neben Kichererbsen und Quinoa stehen dabei unter anderem verschiedene Hirsearten, Amaranth, Buchweizen und Ölpflanzen im Mittelpunkt.
So zeigt das Projekt, wie Landwirtschaft, Verarbeitung und Küche gemeinsam ausprobieren können, welche Kulturen unter veränderten Bedingungen künftig eine größere Rolle spielen könnten.